AUFBRUCH IN EIN NEUES ABENTEUER
Veröffentlicht am: 20 Mar, 2020

Wir schrei­ben den 06. Novem­ber 2019 und heu­te geht unser lang­ersehn­tes Aben­teu­er end­lich los. Ein letz­tes Mal in Deutsch­land auf­zu­wa­chen, ist ein sehr komi­sches Gefühl und doch fühlt sich die­se Unge­wiss­heit, wo uns die­ser Weg hin­füh­ren wird, so unglaub­lich gut und zugleich extrem befrei­end an. Alles ist gepackt und erle­digt. Naja, zumin­dest in mei­ner Traum­welt, denn Giu­lio lebt getreu nach dem Mot­to: „Alles auf den letz­ten Drü­cker erle­di­gen“. Ja, auch heu­te an einem so ereig­nis­rei­chen Tag, lässt er sich von nichts aus der Ruhe brin­gen und sucht ent­spannt, weni­ge Stun­den vor Abflug, sei­ne 7 Sachen her­aus. Mein Back­pack hin­ge­gen steht bereits seit meh­re­ren Tagen, okay ich bin ehr­lich, seit meh­re­ren Wochen in der Ecke und war­tet sehn­süch­tigst auf den Abflug.

Eini­ge Tage vor der Abrei­se hat sich der äußerst spon­ta­ne Herr dafür ent­schie­den, ein neu­es Mac­book sowie eine neue Kame­ra für die bevor­ste­hen­de Rei­se zu kau­fen, jedoch kam der Kram bis jetzt noch nicht an. Naja, er hat ja noch gan­ze 7 Stun­den bis zum Abflug!!! Ange­spannt räu­me ich mein Gepäck von einer Ecke in die ande­re und wüh­le gefühlt zum 10. Mal in unse­rer Doku­men­ten­ta­sche umher, um sicher zu gehen, dass wir auch tat­säch­lich alles Wich­ti­ge dabei haben. Da ich ein lei­den­schaft­li­cher „Kon­troll­freak“ bin, wird sich der Vor­gang wohl noch eini­ge Male wie­der­ho­len. Ich weiß nicht wohin mit mir und mei­nen Gedan­ken, denn so lang­sam steigt mei­ne Auf­re­gung. Mitt­ler­wei­le ist 16:00 Uhr und die Kame­ra und das Mac­book schei­nen in wei­ter Fer­ne, jedoch glaubt Giu­lio fest dar­an, dass bei­des noch recht­zei­tig ankommt. Ich blei­be jeden­falls skep­tisch, mache es mir ein letz­tes Mal auf dem Sofa gemüt­lich und ver­su­che noch ein wenig Schlaf zu bekommen.

„Ey, wie vie­le Unter­ho­sen soll ich ein­pa­cken? Haben wir einen Nagel­knip­ser dabei? Wo ist mein Rasie­rer? Hast du mei­nen Rei­se­pass?“ Nein, die­se Sät­ze klin­gen nicht wie ein schö­nes Schlaf­lied in mei­nen Ohren, viel­mehr kann ich nicht auf­hö­ren mei­ne Augen hin und her zu rol­len, um somit zum Aus­druck zu brin­gen, wie unan­ge­bracht ich die­se Spon­ta­ni­tät fin­de. Nach einer gefühl­ten Ewig­keit ist der Kof­fer nun end­lich gepackt und star­tet mit stol­zen 22 kg in Rich­tung WELT. Ja, 1 kg Puf­fer ist zu Beginn der Rei­se kei­ne Meis­ter­leis­tung. Aller­dings befin­det sich in Giulio’s Kof­fer extrem viel Equip­ment, wel­ches wir unbe­dingt auf unse­rer Rei­se benötigen.

Wäh­rend wir noch schnell einen letz­ten Snack á la Mama ver­schlin­gen, klin­gelt der ersehn­te Post­bo­te an der Tür. Er bringt doch tat­säch­lich 1 Stun­de vor Abfahrt die zwei Pake­te, wel­che bei­na­he dafür gesorgt hät­ten, dass wir uns schon vor Beginn der Abrei­se an die Gur­gel gin­gen. Giu­lio ist nun hap­py und packt freu­de­strah­lend sei­ne Pake­te aus und hat den Stress direkt wie­der ver­ges­sen. Lang­sam tref­fen auch Giulio’s Eltern ein und gemein­sam mit mei­nem Papa machen wir uns auf den Weg zum Frank­fur­ter Flug­ha­fen. Der Abschied geht mei­ner Mama lei­der ziem­lich nah, sodass wir alle beschlie­ßen, dass es bes­ser für sie ist, wenn sie uns nicht zum Flug­ha­fen beglei­tet. Auch mich nimmt der Abschied von mei­ner Mama mehr mit als zuvor ange­nom­men und ich ver­su­che mich irgend­wie für sie zusam­men­zu­rei­ßen. In der Ver­gan­gen­heit ver­ging sel­ten ein Tag an dem wir uns nicht gese­hen haben, es sei denn wir waren ver­reist und selbst dann haben wir immer etwas von­ein­an­der gehört. Aller­dings war ich nie län­ger als 6 Wochen von Zuhau­se weg. Schon kommt der Moment in dem ich sie ein letz­tes Mal für unbe­stimm­te Zeit in die Arme schlie­ßen kann.

So lang­sam wird es ernst…Um 22:20 Uhr wer­den wir gemein­sam in ein völ­lig neu­es und unge­wis­ses Kapi­tel star­ten. Von Frank­furt wer­den wir über Mos­kau flie­gen, bis wir letzt­end­lich in den frü­hen Mor­gen­stun­den im wuse­li­gen Bang­kok lan­den wer­den. Mit­ten im all­täg­li­chen Trei­ben des Frank­fur­ter Flug­ha­fens irren nun tau­send unter­schied­li­che Gedan­ken in mei­nen Kopf umher. „Wie lan­ge wird unser Erspar­tes aus­rei­chen? Was wird uns in den nächs­ten Tagen, Wochen und Mona­ten erwar­ten? Wer­den wir als Paar auf einer so lan­gen und zugleich unge­wis­sen Rei­se har­mo­nie­ren? Wird mich das Heim­weh ein­ho­len? Wird mir ein „fes­tes“ Zuhau­se feh­len?“ Ich schaue rüber zu Giu­lio, der gera­de genüss­lich sei­ne letz­te But­ter­bre­zel und ein Scho­ko­bröt­chen ver­schlingt und mich dabei mit sei­nem ver­schmier­ten, aber den­noch glück­li­chen Gesicht anlä­chelt. In die­sem Moment bin ich mir sicher, dass es an der Zeit ist, all die Zwei­fel über Board zu wer­fen. Ich kann mich nur auf die­ses Aben­teu­er ein­las­sen, wenn ich all die nega­ti­ven Gedan­ken bei­sei­te räu­me. In mei­nem Inne­ren weiß ich, dass wir das per­fek­te Gespann aus Orga­ni­sa­ti­on und Spon­ta­ni­tät dar­stel­len. Mit nie­mand ande­rem wür­de ich solch einen Weg gehen wol­len. Und ich weiß, dass es gut wer­den wird, sogar ver­dammt gut.

Die Flug­ha­fen­durch­sa­ge reißt mich aus mei­nem Gedan­ken­ka­rus­sell und kata­pul­tiert uns gera­de­wegs in Rich­tung Rea­li­tät und damit schnur­stracks zur Sicher­heits­kon­trol­le. Mal wie­der heißt es Abschied neh­men. Abschied von mei­nem Papa und Giulio’s Eltern. Ich weiß nicht, wie oft ich beschlie­ße, dass ich mich nun ein letz­tes Mal zu ihnen umdre­hen wer­de, doch immer wie­der möch­te ich noch einen wei­te­ren letz­ten Moment ein­fan­gen und ganz fest in mei­nem Her­zen einschließen.

Am Gate ange­kom­men mer­ke ich, dass Giu­lio nun auch ein wenig emo­tio­nal wird, er weiß, dass ich Abschie­de has­se, nimmt mich in den Arm und drückt mir einen lie­be­vol­len Schmat­zer mit­ten auf mei­ne Stirn. Mit schwe­rem Gepäck, aber den­noch unend­lich viel Platz für vie­le unver­gess­li­che Erin­ne­run­gen und Momen­te, heben wir ab Rich­tung Mos­kau. Den 6 stün­di­gen Zwi­schen­stopp ver­su­chen wir mehr oder weni­ger erfolg­reich mit einem kur­zen Power­nap zu überbrücken.

Nach ins­ge­samt 21 Stun­den Anrei­se kom­men wir erschöpft und zugleich total auf­ge­regt im quir­li­gen Bang­kok an und strö­men gera­de­wegs in einem über­teu­er­tem Taxi Rich­tung Hotel…

Willkommen auf unserem Reiseblog: Wir sind Giulio und Elena. Reisende, Abenteurer, Chaoten, Kindsköpfe und Träumer. Die Welt und deren unfassbar schöne Natur haben uns in ihren Bann gezogen. Daher sind wir meistens dort, wo unsere Herzen ganz doll hüpfen. Mal mit dem Rucksack oder dem Van. Kommt mit auf unsere Lebensreise!

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